Stückeinführung – ‹Das Wort für Welt ist Wald›

Shownotes

Werkangaben
Eine Interpretation von Ursula K. Le Guins Roman
‹The Word for World is Forest›
Veröffentlichung 1972

Künstlerisches Team
Inszenierung – Franz Broich, und Team
Text – Franz Broich
Bühne – Jana Furrer
Kostüme – Karoline Gundermann
Komposition – Ameli Schuster
Lichtdesign – Julian Kestler
Dramaturgie – Jacob Bührle
Produktionsleitung – Lena Lappat
Regieassistenz / Abendspielleitung – Leonard Heep

Besetzung
Maja Beckmann
Birte Schnöink
Live-Musik – Ameli Schuster

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00:00:02: Herzlich willkommen zur Einführung von Das Borte Welt des Wald.

00:00:05: Ich bin Jakob Bühle und Schauspieldramaturg am Theater Basel.

00:00:10: Die Szenierung, die Sie heute Abend sehen werden ist die fünfte Arbeit von Franz Bräuch und seinem Regie-Team mit der Bühnenbildnerin Jana Fohrer und der Kostümbildnerin Karoline Gundermann am Theaterbasel.

00:00:23: das Regie Team beschäftigt sich zusammen mit den Spielerinnen Birte Schneing und Maja Beckmann sowie der Musikerin Amélie.

00:00:32: Das Wort für Welt ist Wald von Ursula Le Guin.

00:00:38: Für das Regie-Team ist Ursula Liguin schon seit langem ein fester Ausgangspunkt ihrer Theaterarbeit, vor allem Le Guin's Tragetaschentheorie des Erzählenst fließt immer wieder in die Inszenierungen ein.

00:00:50: Le Guin formuliert in ihrem Essay am Anfang bei der Beutel dass die Art und Weise wie wir Geschichten erzählen maßgeblich unsere Sicht auf die Welt beeinflusst und Realitätenschaft dabei grenzte sich ganz konkret von der klassischen Heldengeschichte ab, die auf gewaltvolle Eroberung Unterwerfungen und der totalen Vernichtung des scheinbar absolut bösen fußt.

00:01:15: Ursula Le Guin nennt diese Form der Geschichte Speerförmig da sie linear erzählt ist.

00:01:21: Dem stellt sie den Beutel als Erzählweise gegenüber Während der Speersymbol der Gewalt ist verbildlich der Beuteltas sammeln von anderen Geschichten Die ohne einen klaren Helden auskommen und die stattdessen von Verbindungen und Beziehungen erzählen.

00:01:38: Es sind Lebensgeschichten, in denen der Mensch nicht zwangsläufig der Fixpunkt des Geschehens ist.

00:01:44: Mit den beutelhaften Erzählformen formuliert Le Guin eine Kritik an Gewalt- und Krieg aber auch am Patriarchat sowie der Erzählung Der Mensch sei das Zentrum der Welt.

00:01:56: Gleichzeitig eröffnet der Beutel aber auch die Möglichkeit sich eine Grund andere Welt zu erträumen tradierte Geschichten zu vergessen und neue Realitäten zu schaffen.

00:02:09: Der Roman, das Wort für Welt ist Wald, erscheint in two-hundert-zwei-und-siebzig und handelt von dem mit dichtem Wald bewachsenen Planeten Achi, bewohnt von den Acianerinnen.

00:02:20: Während für uns Menschen das Wort Erde sowohl den Boden als auch unseren Planeten beschreibt, ist für die AcianaInnen das Wort Welt gleich bedeutend mit Wald.

00:02:30: Der Wald bezeichnet für sie die Wende der Welt.

00:02:33: Mit ihm leben die Atschianerinnen verwurzelt und sie kennen keine zwischenmenschliche Gewalt.

00:02:38: Konflikte lösen Sie mit Gesang!

00:02:40: Und auch die menschliche Trennung von Wachsein-und Träumen ist auf Atschei nicht bekannt, der Traum ist hier eine materielle Form der Realität – er isst die Wurzel, der die ATSCHIANERINN mit dem Wald verbindet.

00:02:55: Osolale Gwyn entwirft hier eine Welt, die sich ganz bewusst von der eurozentrischen Vorstellung abstößt dass den Mensch von der Natur getrennt und ihr Zudem überlegen sei.

00:03:05: Doch die Acheana-Innen werden genau mit dieser Perspektive konfrontiert, als Menschen beginnen den Planeten zu kolonisieren um den Wald zu roden.

00:03:14: Die Bevölkerung von Achea wird von den Menschen unterjocht zur Arbeit gezwungen untermordet doch die Ascheanerinnen beginn von der Gewalt zu träumen Und diese Träume übersetzen sich schließlich in eine gewaltvolle Widerstandsbewegung.

00:03:29: Letztendlich entscheiden sich die Menschen dazu dem Planeten Acheae zu verlassen.

00:03:35: Nach Ursula Le Guin's eigener Systematik ist das Wort für Weltist Wald eine sperrförmige Heldengeschichte, die von kolonialer Gewalt und dem darauf folgenden Widerstand erzählt.

00:03:48: Das Wort für weltist Wald ist ein Science-Fiction Roman und dennoch sind die Bezüge zur Menschheitsgeschichte relativ klar.

00:03:56: Ursula le Guin schreibt ihren Roman vor dem Hintergrund des Vietnamkriegs und formuliert dabei eine Kritik an dem imperialistischen Krieg der USA.

00:04:05: Die Erzählung Dass sich dekoloniale Befreiungskämpfe in Träumen und Visionen vorbereiten, findet ebenfalls ihre ganz reale historische Entsprechungen in der Geschichte des Widerstandes gegenüber der europäischen Kolonialgewalt.

00:04:19: Auch die Vorstellung der naturverbundenen TräumerInnen von Achi ist nicht aus der Luft gegriffen.

00:04:25: Osala Le Guin eignet sich hier eindeutig indigene kulturelle Praktiken an – dies zeigt erneut dass das Bild eines vermeintlich Fremden immer als Negierung des eigenen und Bekannten erscheint.

00:04:38: Für die heutige Inszenierung stellt er sich damit früh die Frage, ob das Fremde auf der Bühne überhaupt dargestellt werden kann ohne dabei rassistisches Stereotypen zu reproduzieren.

00:04:48: Die Kostüme des heutigen Abends von Caroline Gundermann stellen keinen Versuch da, das Femde abzubilden.

00:04:55: Stattdessen interessierte uns viel mehr wie die Mechanismen offen gelegt werden können, Wirklich repräsentiert, wird also lediglich die Darstellung des Bekannten.

00:05:06: Nur der menschliche Bösewicht des Romans wird eindeutig markiert.

00:05:14: Auch das Bühnenbild stellt kein naturalistisches Bild des Waldes dar.

00:05:18: Jana Forer hat einen Raum geschaffen, der eine eindeute Zuordnung verwehrt und sich vielmehr mit den Stimmungen und Prinzipien des Waldess beschäftigt.

00:05:27: Dennoch erschafft das Spiel von Birte Schneing und Maja Beckmann – auch die Musik von Amelie ein Wald auf der Bühne!

00:05:34: Dieser vermeintliche Naturalismus einer nachgebauten Natur macht einen menschlichen Blick, der die Welt schon im Vorhinein ordnet überprüfbar.

00:05:47: Franz Bräuch arbeitet als Regisseur und Autor kollaborativ.

00:05:51: Texte wie auch Szenen entstehen auf den Proben immer im Gespräch mit allen Beteiligten und nicht das fixe Idee eines einzelnen Individuums.

00:06:00: Die Spielerinnen sind über Improvisationen und Gespräche in dieser Arbeitsweise fundamental an der Entwicklung des Stückes beteiligt.

00:06:08: Mit Ursula Le Guin's Essay, über Beutelförmiges Erzählen haben wir uns schließlich gegen ein bloßes Nacherzählen des Romans entschieden.

00:06:15: Dennoch verarbeiten die SpielerInnen Le Guins Erzählung, gehen den aufgeworfenen Fragen nach und folgen seinen Motiven.

00:06:23: Was hat die Erzählungen eines siebenundzwanzig-einhalb Lichtjahre mit uns und unseren Körpern zu tun.

00:06:32: Und wie verändert die Geschichte des Verhältnis zwischen den Spielerinnen und ihren Zugang zur Welt?

00:06:41: Ein Motiv, das uns während der Vorbereitung und der Proben sehr interessiert hat ist das des Waldes.

00:06:47: Ursula Le Guin beschreibt den Wald als mit den Atschianer-Innen verbunden über die Grenzen von Individuen hinweg.

00:06:55: Dieses literarische Bild hat sich in der jüngeren naturwissenschaftlichen Forschung bestätigt.

00:07:00: Bäume kooperieren und koordinieren sich stets mit anderen Bäumen, mit Pilzen und mit Tieren.

00:07:06: Diese teilweise symbiotischen Beziehungen ermöglichen erst das Existieren von Wäldern – sie sind die Grundlage allen Lebens!

00:07:14: Der menschliche Blick der Stadtverwobenheit unserer belebten Umwelt immer nur einzelne Exemplare und Individuen erkennt erscheint aus dieser Perspektive sehr verkürzt.

00:07:26: Stattdessen sind Wälden verschriegte Organismen die sich nicht auf einzelne Bestandteile verkürzen lassen.

00:07:35: Das heutige Stück beschreibt den Versuch, dem Blick wieder zu weiten und dem Wald und seinen Geschichten unvoreingenommen zu begegnen.

00:07:44: Maja Beckmann und Birthe Schnöng nähern sich dem Wald über Fragen und das Gemeinsame fabulieren.

00:07:50: dabei verwickeln und verhädern sich die Spielerinnen im.

00:07:52: Geschichten erzählen miteinander und mit der Bühne.

00:07:56: in diesem Spielmodus wird eine andere Denkstruktur und eine Zärtlichkeit mit der Welt erfahrbar.

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